a reseacher’s diary

by Christina Lessiak


19/05/2020

Class Three: Autoethnography in Interview Research” (Ellis, 2004, 58-85) behandelt drei Arten des Interviews, die die Forschende* inkludiert: Reflexive Dyadic Interviews, Interactive Interviews und Co-constructed Narrative. Die Forscherin stellt dabei nicht nur Fragen und beobachtet das Geschehen, sie bringt sich auch unterschiedlich stark in das Interview ein. Eine wichtiger Punkt wir klargestellt: Eine Interview-Situation ist immer von den Personen beeinflusst.“(…) the account the interview gives is socially constructed in a particular place and time, for a particular hearer, for a particular purpose, under particular conditions-for example, the interviewer selects the questions-the interviewer is always a vital part of the narrative” (Ellis, 2004, 61). In diesen Methoden werden Forscher*innen jedoch auf besondere Art und Weise in die Interviewsituation eingebunden.

Beim Reflexive Dyadic Interview liegt der Fokus zwar auf der Probandin, die Forscherin bringt jedoch ihre Gedanken und Gefühle mit ein: “(…) the researcher’s story isn’t the focal point; instead, it enhances understanding of the topic. Including the subjective and emotional reflections of the researcher adds context and layers to the story being told about participants” (Ellis, 2004, 62).
Beim Interactive Interview agieren die Teilnehmenden gleichzeitig als Forscherinnen und Forschungsteilnehmerinnen. Dabei wird ein Thema behandelt, womit die Teilnehmerinnen entweder selbst Erfahrung gemacht haben oder dafür besonders sensibilisiert sind. Dadurch entsteht ein kollaborativer Prozess, der dazu führen soll intime Informationen zu generieren, oder wie Ellis es formuliert: “Interactive interviews try to access a deeper level of information-the emotional, intimate realm” (2004, 66). Das Co-constructed Narrative soll in Beziehungen Anwendung finden und behandelt vor allem Wendepunkte oder “unresolved epiphanies” dieser Beziehungen (Ellis, 2004, 72). Ein solches Ereignis wird von den Personen einzeln aufgeschrieben, aufgenommen oder in einem Interview mit einer Forscherin erhoben. Die Partner*innen treffen sich danach mit der Forscherin und teilen ihre Erfahrungen mit diesem Ereignis. Gemeinsam erkunden sie die Unterschiede in der Erfahrung und konstruieren gemeinsam daraus eine gemeinsame Geschichte (Ellis, 2004, 72). Unmediated ist diese Methode dann, wenn die Partnerinnen diesen Prozess zu zweit, ohne Forscherin, durchführen. Ein Beispiel hierzu, das im restlichen Kapitel besprochen wird, ist der Text “Telling and performing personal stories: The constraints of choice in abortion” (Ellis & Bochner, 1992), auf den ich leider keinen Zugriff habe.

Weiterführende Literatur: Ellis, C., C. Kiesinger, and L. Tillmann-Healy. 1997. Interactive interviewing: Talking about emotional experience. In Reflexivity and voice, ed. R. Hertz (pp. 119-149). Thousand Oaks: Sage.

Assignment Week 3: “Write about a vivid memory of something that happened a long time ago.”

“Als ich ungefähr 15 Jahre alt war, begann ich mich wahnsinnig viel mit Musik zu beschäftigen. Jeden Tag legte ich mich mit meinem Discman ins Bett und hörte meine Lieblings-CDs rauf und runter. Manche Songs im Repeat, bis die Batterie leer war. Neue Musik entdeckte ich durch meinen Bruder, der zwei Jahre älter ist als ich. In seiner Klasse waren coole Kids, die Punkmusik hörten, was man ihnen auch ansah. Irokesen, Nietengürtel, bunte Haare. Ich schaute auf zu den älteren Jugendlichen und wollte gerne mehr über diese Musik und Szene erfahren. Ich tauchte immer tiefer ein. Ich druckte mir online die Akkorde von meinen Lieblingssongs aus und versuchte sie nachzuspielen. Erst vor kurzem hatte ich eine E-Gitarre bekommen, auf die ich wahnsinnig stolz war. Und auch wenn meine Fingerkuppen schon weh getan haben, spielte ich weiter und versuchte mich daran Songs zu schreiben. Noch heute habe ich die Mappe voller Lieder, die ich damals schrieb und die nur so vor Teenage Angst und Verunsicherungen triefen. Und mit Neid blickte ich auf die Burschen in meiner Klasse, die eine eigene Band gegründet hatten. Sowas wollte ich auch unbedingt. Meine damals beste Freundin versuchte sich gerade am E-Bass und nahm Unterricht. Und so gründeten wir gemeinsam Bands, die es eigentlich nie gab. Nur einmal trauten wir uns den schuleigenen Proberaum zu reservieren, um unsere erste echte Bandprobe in einem echten Proberaum zu haben. Ich war so aufgeregt und erfreut. Ich bereitete meine eigenen Songs vor. Ich schrieb sogar eine Basslinie für diese Freundin, weil es mir so unter den Fingern brannte. Und als der Tag kam, pochte mein Herz bis zum Hals und ich konnte es kaum erwarten. Sofort nach der letzten Schulstunde machten wir uns mit den Instrumenten zum Proberaum und warteten draußen. Die Burschen aus unserer Klasse waren noch drin und beäugten uns kritisch. Als wir den Raum betraten und loslegen wollten, bewegten sie sich nicht vom Fleck. “Zeigt mal, was ihr könnt”, sagte der eine. Wahrscheinlich waren das nicht wirklich seine Worte, aber genauso fühlt sich die Erinnerung an. Sie starrten auf uns und wollten uns einfach begutachten. War ihnen nicht bewusst, wie schlimm das für uns ist? Was war ihre Intention dahinter? Vollkommen verunsichert versuchten wir unsere Probe zu beginnen. Ich war komplett überfordert und wusste nicht, was ich tun soll. Meine eigene Unsicherheit lähmte mich. “Ich bin noch nicht so gut, niemand soll das jetzt schon hören”, schallte es in meinem Kopf. Und die zwei blieben einfach da. Ich kann mich nicht erinnern, wie es weiterging, aber dieser Moment brannte sich in mich ein. Ich hatte nicht das Selbstwertgefühl ihnen zu sagen, dass sie einfach gehen sollen. Ich wollte nicht, dass sie da sind. Das war unsere Probe, ein Raum, um ungestört zu experimentieren. Ich weiß nur noch, dass wir nach diesem Erlebnis, wahrscheinlich aus Scham, unser Bandprojekt nicht wirklich weiterverfolgt haben. Und auch bis zu meiner ersten wirklichen Band sollte es noch etwas dauern.”

30/04/2020

Interview with Julia Eckhardt

On the last day of October 2019, I travelled to Brussels to meet and interview musician and curator Julia Eckhardt. We talked about music, feminism, listening, and books. To find out more, listen to the interview here >>>

09/04/2020

“Class Two: The Call of Autoethnographic Stories” (Ellis, 2004, 24-57)

In diesem Kapitel geht es um methodische Fragen der Ethnographie und der Autoethnographie und um die Unterschiede und Varianten quantitativer und qualitativer Forschung. Wir erfahren auch, wie Carolyn Ellis zu diesem Forschungsbereich kam:

I watched and listened carefully, often-or maybe especially-when I was not supposed to. What’s going on behind those closed doors? I asked myself. What are they thinking and doing? What are their motives? Early on I became interested in the incongruity between what people said and what they did. The key to understanding these contradictions seemed to be to approach the world as an ethnographer, who tries to figure out ‘what’s going on here.’ Being nosy and a good listener are two primary prerequisites of a good ethnographer” (Ellis, 2004, 27).

Vom besonderen Interesse für unser Forschungsprojekt erscheint mir die reflexive und narrative Ethnographie, “where the ethnographer’s experiences are incorporated into the ethnographic description and analysis of others and the emphasis is on the ethnographic dialogue or encounter between the narrator and members of the group being studied.” (Ellis, 2004, 48).

Siehe hierzu: Tedlock, B. (1991). From participant observation to the observation of participation: The emergence of narrative ethnography. Journal of Anthropological Research 41: 69-94.

Schließlich geht es in diesem Kapitel auch um die viel diskutierte Frage ob Autoethnographie “nur” Geschichtenerzählen oder „echte“ Wissenschaft sei. Ellis argumentiert: “Stories are the way humans make sense of their worlds. Stories are essential to human understanding and are not unique to autoethnography. Stories are the focus of Homeric literature, oral traditions, narrative analysis, and fairy tales. Given their importance, I argue that stories should be both a subject and a method of social science research” (Ellis, 2004, 32).

Der häufig angeführten Kritik, dass Autoethnographie egozentrisch sei entgegnet Ellis: “To write about the self is to write about social experience, argues Mykhalovskiy. If culture circulates through all of us, then how can ethnography not connect to a world beyond the self?” (Ellis, 2004, 34)

Verweis auf Mykhalovskiy, E. (1997) Reconsidering “table talk”: Critical thoughts on the relationship between sociology, autobiography, and self-indulgence. In Reflexivity and voice, ed. R. Hertz (pp. 229-251). Thousand Oaks: Sage 

In diesem Kapitel bietet sie uns erneut eine Definition von Autoethnographie: “Autoethnography refers to writing about the personal and its relationship to culture. It is an autobiographical genre of writing and research that displays multiple layers of consciousness. (…) Back and forth autoethnographers gaze: First they look through an ethnographic wide angle lens, focusing outward on social and cultural aspects of their personal experience; then, they look inward, exposing a vulnerable self that is moved by and may move through, refract, and resist cultural interpretations. As they zoom backward and forward, inward and outward, distinctions between the personal and cultural become blurred, sometimes beyond distinct recognition. Usually written in first-person voice, autoethnographic texts appear in a variety of forms – short stories, poetry, fiction, novels, photographic essays, scripts, personal essays, journals, fragmented and layered writing, and social science prose. They showcase concrete action, dialogue, emotion, embodiment, spirituality, and self-consciousness. These features appear as relational and institutional stories affected by history and social structure, which themselves are dialectically revealed through actions, feelings, thoughts, and language.” (Ellis, 2004, 37)

Schließlich erfahren wir auch etwas über die Begriffsgeschichte. Der Begriff Autoethnographie wurde bereits 1975 von Karl Heider benutzt. Er meinte damit die Selbstbeschreibung der erforschten Gruppe. Als Urheber wird aber gemeinhin David Hayano angeführt.

Siehe Hayano, D. M. (1979) Auto-Ethnography: Paradigms, problems, and prospects. Human Organization 38: 113-120.
Heider, K. (1975). What do people do? Dani auto-ethnography. Journal of Anthropological Research 31:3-17.

Ellis streicht in diesem Kapitel die Bedeutung von feministischer Theorie für autoethnographische Forschung, wie auch für reflexive und narrative Ethnographie hervor: “It [feminism] has contributed significantly to legitimizing the autobiographical voice associated with reflexive ethnography. (…) Many feminist writers advocate starting research from one’s own experience.” (2004, 47).

Auch die Bedeutung des Körperlichen wird genannt: “Reflexive ethnographers ideally use all their senses, their bodies, feelings, and their whole being-they use the ‘self’ to learn about the other, and they use their experiences in other worlds to reflect critically on their own.” (Ellis, 2004, 48)  

Ich merke, dass ich gerne eine neutrale Position in meinem Forschungsprojekt einnehmen würde, es aber aufgrund der Situation nicht möglich ist. Ich bin keine externe Forscherin, sondern auch Mitarbeiterin in dem Forschungsprojekt “Fragility of Sounds”. Die Beschäftigung mit diesen Themen hilft, die Überlegungen zu Distanz-Nähe, Objektivität-Subjektivität zu schärfen.

Assignment Week 2: “Write about your thoughts. Consider using internal monologue to show us what you are thinking.”

„Heute muss ich mich nochmals hinsetzten und meine Gedanken ordnen. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Jedenfalls möchte ich gerne die Aspekte Kompositionsprozess, Hören und Feminismus in die Betrachtung der aktuellen internationalen Lage einbauen. Zum Beispiel möchte ich danach fragen, wie die Hör-, Musik-, und Kompositionspraxis von den aktuellen Entwicklungen beeinflusst wird. Mir wäre es aber auch wichtig, das Thema mit Theorien des Posthumanism und New Materialism zu verbinden, da es hier gute feministische Anknüpfungspunkte gibt. Ich bin mir aber noch nicht sicher, wie diese Themen zusammenkommen. Ich möchte dann nicht zu sehr in die falsche Richtung abschweifen. … Wir Menschen sind nicht die einzigen Akteur*innen in dieser Welt, wie uns das Virus schmerzhaft vor Augen führt. … Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, dass wir Körper sind, Materie, Teil eines Ökosystems, dem wir uns nicht entziehen können. Und diese Körperlichkeit ist eine fragile. Der „Mensch“, unter Anführungszeichen, wie Braidotti uns lehrt, ist nicht allmächtig. Der Mensch ist Teil der Natur, auch wenn wir uns diskursiv noch immer nicht von der Binarität Kultur-Natur verabschieden wollen [1] … dabei spüren wir die unsichtbare Macht des Virus nicht nur körperlich, sondern auch ökonomisch, politisch, rechtlich und psychisch. Ich glaube ich muss da nochmal nachlesen, wie Braidotti die Aspekte der co-existence und co-depencence artikuliert. Da fällt mir wieder ein, dass ich diese Metapher des Krieges in der Medienberichterstattung nicht passend finde. Da wird ein „Wir gegen den Virus“, „Menschen gegen Natur“ konstruiert mit dem ich nichts anfangen kann. Und als würde der Virus an Grenzen Halt machen, … es verhärten sich nationale Grenzen, anstatt inter- oder post-nationale Solidarität, Kooperation und Strategieentwicklung zu stärken. Auch dieses Bild des „Wir sitzen alle im selben Boot“. Von wegen. Personen in den Flüchtlingslagern weltweit sind mit einer anderen Corona-Realität konfrontiert als ich, Uniangestellte im österreichischen Homeoffice. Der Virus ist jedenfalls nicht wählerisch und erinnert tagtäglich an die Verwundbarkeit des eigenen Körpers. … Aber, welche Schlüsse lassen sich aus dieser Situation für die künstlerische Praxis ziehen? Welche Ungleichheiten werden sichtbar, erfahrbar, spürbar? Wie sieht die Lebensrealität von Kulturarbeiter*innen, Künstler*innen und künstlerisch-forschenden Akteur*innen gerade aus? Sind sie von Retraditionalisierung von Geschlechterrollen, Gewalt von Männern, Doppelbelastung …. betroffen? Was verändert sich denn für Künstler*innen in der aktuellen Situation? Sofort fällt mir die Verschiebung der Kunstpraxis in den virtuellen Raum ein. Die mag auch neue Möglichkeiten eröffnen: Schaffen neuer Identitäten, Anonymisierung, Experimente … Auch das Musizieren ohne Publikum ist ein spannendes Thema. Meine erste Erfahrung mit einem Konzert-Stream war positiv, dennoch fehlte mir die unmittelbare Körperlichkeit. Die Vorstellung das Gegenüber, also das Publikum oder die Musiker*innen, nicht sehen zu können oder nicht gesehen zu werden, verursacht bei mir Unbehagen.  Man hört zu, sieht hin. Aber niemand schaut zurück, niemand hört zurück. Mit dem veränderten Alltag ändert sich jedenfalls auch die Geräuschkulisse. Was können wir von unserer neuen Position hören? Wo hören wir (nicht) hin? Der Straßenlärm rückt in die Ferne, die Geräusche der Nachbarwohnung werden lauter. Diese ganzen Technologien ermöglichen auch Einiges. Es wäre jedenfalls wichtig, nach dem Potential für Erneuerungen zu fragen, nach Utopien, wider der alten Normalität. Ich hol mir mal einen Tee uns lese mir meine Aufzeichnungen nochmals durch, bevor ich versuche, das alles in klare Gedanken zu ordnen.“

[1] Ein lesenswerter Artikel zu diesem Thema findet sich unter https://policyblog.uni-graz.at/2020/03/the-global-virus-pandemic-an-urgent-call-to-discard-humanitys-claim-of-mastery-of-nature-and-the-human/

29/03/2020

AUFGABE 2 aus “The Ethnographic I: A Methodological Novel about Autoethnography”: Telling the story of my live as a writer

The first memory of writing that comes up in my mind is a rather technical thing. I remember how I found out that I learn a different style of cursive handwriting than my best friend and neighbor. She was older than me and I admired her a lot, so I really wanted to write in that style. But I was not allowed in school, because we had to learn the “new” style. I started to write in the “old” style whenever I could. I still see it today in my handwriting that I am not very consistent and mix both. For me this is like little memorabilia from my childhood. A little recollection of being a kid. Growing up, I had little affinity towards books, I preferred to use my hands to do crafts. At a certain age then, I think I was 11 or 12 years old, I started keeping a diary. It was important to me because it helped me to cope with my inner tumult and emerging teenage angst. I still own these books and cherish them. Some of them have a self-made book cover that I find fascinating to this day. My writing was not sophisticated. It seems naive and superficial at times. But at some moments I am really surprised about the awareness of my younger self. I still do write in little books today, not every day, but as often as I can or want. During high school, I was into writing. I was not the best speller. Nothing severe, just some problems because of my dialect. For a long time, I’ve been unsure if “Wald” (forest) is written with a “d” or a “t” at the end, just because of the way we talk in my hometown Klagenfurt (Carinthia, southern Austria). At one point I remember being interested a lot in stories and storytelling. I listened to tapes full of fairytales, listened to music and imagined which story it might accompany, and loved to do presentations in class. I even wrote a screenplay when I was 14 years old, but unfortunately, I lost the floppy disk and will never know what it was about in detail. With my growing interest in music I started to write songs and lyrics. This was the first time I wrote in English just for fun. And I do it to this day. Sometimes even poems. Although I do not know if one can really call them poems, but hey, why not? Later during my studies, I started to write academically, which I enjoyed but also dreaded. It always felt like stripping yourself naked and letting everyone know how clever or stupid you are. I always felt a huge relief when I passed a class with a good grade. I know I am still not the best writer. My sentence constructions are not very elegant, sometimes I feel like I am lacking the right vocabulary to write down the things I want to express. Sometimes I feel my argumentation is just banal and my observations too ordinary. But it gets better, I think I am getting to a point where I am not so anxious about the outcome anymore, but just write and see what happens. I hope I will be a better writer in the future, and with some practice this future is getting closer day by day.

25/03/2020

Ich beginne meinen Tag mit dem ersten Kapitel von “The Ethnographic ‘I’” (2004). Die Publikation von Carolyn Ellis ist ein autoethnographisches (Lehr-)buch über Autoethnographie. Ellis arbeitet als Kommunikationsforscherin und Soziologin an der University of South Florida. Sie ist wohl die erste Autorin über die man stolpert, wenn man beginnt sich für Autoethnographie zu interessieren, da sie umfangreich zu diesem Thema publiziert hat.“The Ethnographic ‘I’” ist für Leser*innen leicht zugänglich, da es nicht so dicht abgefasst ist wie ein wissenschaftlicher Artikel, trotzdem bietet es umfangreiche Einblicke in das Themenfeld der (Auto-)Ethnographie. Das erste Kapitel beschreibt den Beginn eines Seminars über Theorien und Methoden autoethnographischen Forschens. Wir erleben aus der Ich-Perspektive der Professorin, wie sie zu dem Thema gekommen ist und wie sie mit Kritik und Skepsis gegenüber dieser Forschung umgeht. Sie verschmilzt Geschichte und Theorie, indem sie Begriffe erklärt und auf wissenschaftliche Literatur hinweist. Als Anhang ist der Ablauf des Seminars mit Leseempfehlungen und Aufgaben beigefügt. In mir entsteht der Wunsch, die Lehrveranstaltung zu besuchen und so entschließe ich mich die Angaben und Vorschläge des Buches umzusetzen.

Let class begin!

Week 1

Im ersten Kapitel lernen wir über die Anfänge autoethnographischen Forschens. Ellis liefert folgende kurze Definition von Autoethnographie: “[Autoethnography is] research, writing story, and method that connect the autobiographical and personal to the cultural, social, and political. Autoethnographic forms feature concrete action, emotion, embodiment, self-consciousness, and introspection portrayed in dialogue, scenes, characterization, and plot. Thus, autoethnography claims the convention of literary writing.” (Ellis, 2004, xix).

Folgende Publikation können laut Ellis als erste Autographien im Feld der Kommunikationswissenschaften verstanden werden, wenn auch diese Autoren diese Bezeichnung hierfür nicht verwendeten (vgl. 2004, 12):

Thomas W. Benson (1981). “Another shooting in Cowtown,” Quarterly Journal of Speech 67:4, 347-406.
Michael Pacanowsky (1988). “Slouching Towards Chicago,” Quarterly Journal of Speech 74:4, 453–467.

Den Emotionen und Erlebnissen der Forscher*innen selbst Platz in der Forschung einzuräumen ist eine relativ neue Entwicklung und wird in der wissenschaftlichen Community oft als “unwissenschaftlich” abgetan, da es doch darum gehen solle sich selbst so weit wie möglich aus der Forschung auszuklammern:
[…] sociologists paid little to no attention in the 1970s to researchers’ experiences, except to establish guidelines for how they should act so as not to bias their studies or cause harm to their subjects. Textbooks and professors warned of problems of deception, self-disclosure, and going native, and advised about how to present yourself to get what you wanted from participants. […] But there was little discussion of the researcher’s emotions other than advice on dealing with the stresses of the fieldwork setting. The researcher’s own experience was not viewed as interesting, or even legitimate, to look at in its own right” (Ellis, 2004, 15).

Ellis legt ihren Weg zu ihrer Autoethnographie “Final Negotiations: A Story Of Loss, Love, And Chronic Illness” (1995) dar. Darin beschreibt sie ihre Erfahrungen mit dem Verlust einer geliebten Person. Die Reaktionen darauf waren kritisch, da eine solche Herangehensweise nicht den soziologischen Gütekriterien entspräche:

This same reviewer concluded that Final Negotiations ultimately failed because it did not offer ‘theory of something.’ To her, sociology was ‘careful, focused, detailed analysis of some particular episode, some particular pattern, issuing, say, in a new understanding of loss or emotional experience ultimately applicable to other people in other times and places.’ This view of sociology was exactly what I was writing against. Final Negotiations argues for story as analysis, for evocation in addition to representation as a goal for social science research, for generalization through the resonance of readers, and for opening up rather than closing down conversation.” (Ellis, 2004, 22).

Nach dem Lesen des ersten Kapitels widme ich mich der ersten von zwei Aufgaben, die im Rahmen der ersten Woche absolviert werden sollen.

AUFGABE 1: “Writing an episodic life story. Write about an event and pay close attention to setting the scene. Concentrate on concrete, sensual detail” (Ellis, 2004, 351).

My first experience with a tuning meditation

It is 9:46 p.m. I worked out longer than I anticipated and get nervous. “When was the session again,” I wonder and hurry to my laptop in the bedroom. I realize that I have some more minutes, but not enough time to get a shower. The sweat on my body starts to dry and I feel exhausted, happy, but also icky. I sense the smell of my body exuding and run to the windows to open them. The fresh air cools me down. “I’m done,” I yell to my partner who sits in the kitchen and signal him that the living room is now his. I get back to my desk and make myself comfortable in front of the screen. I put on a somewhat nice shirt so that the others won’t see my sportswear. I notice my flurry while staring at the screen. It’s time to check into the video conference. The organizers turn all the microphones off. I am relieved. It is so weird how anxious I get in this context. I am a singer. I sing in front of audiences and you can listen to my music on the internet. But joining a web-rehearsal called “Pauline Oliveros’ The World Wide Tuning Meditation” makes me self-conscious. I image the people doing this are way more experienced in classical music or experimental music, which makes me think of my musical abilities as amateurish. I don’t like this association, but it keeps coming up in my mind when I am in such settings. “Anyway, for this kind of meditation you don’t even need musical skills,” I remind myself while waiting for further instructions. And then it starts. A young woman explains what this is all about. The meditation is hosted by the International Contemporary Ensemble and MUSIC on the REBOUND. I look at all the people popping up on my screen and try to figure out which state they might be located in due to their surroundings. “My room looks very dark in comparison to hers,” I think and wonder how many time zones are represented in this one video conference. I think there are about 60 people logged in. Next to the video people are engaging in texting the group. I throw in a “Hello from Graz!” and look at all those different faces and comments. Some share one computer. I see my colleague Pia and am happy to recognize one face in the crowd. Claire Chase gives a short introduction to the topic. We find out about Pauline Oliveros’ listening practice and the idea behind this event. It is thought as a world-wide musical exchange in the isolated times of the COVID-19 crisis. Then IONE takes over. I am surprised to find out that she is the former artistic director of the deep listening institute and partner of Pauline Oliveros. This is more exciting than I imagined. Not just an experienced practitioner is guiding us, but someone who was really close to the composer and creator of deep listening. To get into the mood we are told to make a sound we never made before. I am irritated as I try to think about this. Which sound could that be? I try to experiment with the shape of my mouth. I suck my lower lip in and bare my teeth. This makes an interesting sound, and I guess that I never sounded like this before. We are instructed to find another sound. I notice how hard this is for me. “I made all the sounds I could ever think of,” I tell myself. Which is of course not true but shows how little I thought of this. The microphones are all turned on now and I can hear the different expressions of the people. Everyone is really into it and seems to enjoy the vocal experimenting. I am delighted by this exercise and want to continue to explore sounds in my head and body. They mute all the microphones again and we move on to the tuning meditation. The feeling of relaxation and excitement overflows my body. The exercise did the trick. “Begin by taking a deep breath and letting it all the way out with air sound,” IONE continues. “Well that is not so hard”, I think and try to feel my body and breath. I observe how my feet are touching the wooden creaky floor of my apartment until I feel safe and grounded. And then the microphones are all on. I hold my breath shortly but allow myself to sound. I allow myself to listen to the sounds emerging from the crowd through the internet, my computer, and earphones. I join in whenever it feels right and don’t let myself be bothered too much that I might be seen or heard. It is such a big crowd and collective sound production that my contribution won’t be judged. I wonder if they can hear my voice, if they can see my face. This continues for a while. I try to listen closer, deeper. I can recognize separate voices, but it is hard for me to hear distant voices. I wonder if this is due to the technical settings of the platform. I imagine how beautiful and powerful this must feel and sound with all those people in a big room, where the soundwaves would really move around and change due to the properties of the room and the people standing or moving in it. The tuning meditation abruptly comes to an end. The microphones are muted again. I see very happy faces on my screen. The rehearsal was a success. We are told to give feedback and join in the official tuning meditation on Saturday, a few days from now. “I might join in,” I tell myself as I leave the video conference. My head goes back to the sounds I never made. This is really something that stuck with me and made me curious. I leave my room glowing and my partner comments on the weird sounds he heard from my room. “Isn’t it interesting,” I reply grinning on my way to the shower.

Der zweiten Aufgabe möchte ich mich in den nächsten Tagen widmen:

Talking about writing and autoethnography. Students introduce themselves by telling the story of their lives as writers. They included: memories of childhood and how they learned to write, good and bad writing experiences, the role writing plays in their lives, writing habits, their experience with writing assignments in classes, fears and apprehensions in writing, authors they admire, and how they envision their future as writers.” (Ellis, 2004, 353).

Quelle: Ellis, Carolyn (2004). The Ethnographic I: A Methodological Novel about Autoethnography. Walnut Creek: Alta Mira Press.

24/10/2019

Listening in/to Listening

Currently I immerse myself in the topic of listening. Reading articles, books, interviews about listening in different disciplines, watching videos and listen to podcasts. This theoretical examination already influenced the way I listen to sounds, surroundings, instruments, others, and myself.

SUGGESTED LISTENING:
ON LISTENING #1Thinking (through) the ear | Radio Web Macba, curated by Arnau Horta, Music by Annie Goh
Listening across disciplines | Resonance 104.4 FM, curated by Salomé Voegelin and Anna Barney

The Website of the project “listening across disciplines” also offers a comprehensive bibliography >>here